Geruch

Neue Matratze riecht: Wie lange dauert das Ausdünsten?

Neue Matratze wird aus der Vakuumverpackung gerollt

Sie haben die neue Matratze ausgepackt, das Vakuum entweicht mit einem leisen Zischen – und dann steigt Ihnen ein süsslich-chemischer Geruch in die Nase. Fast jede vakuumverpackte Schaummatratze riecht in den ersten Tagen, und für viele Menschen ist das der erste Moment der Verunsicherung. Ist das gefährlich? Habe ich ein minderwertiges Produkt erwischt? Muss ich reklamieren? Die kurze Version vorweg: Wenn eine neue Matratze riecht, ist das bei schadstoffgeprüften Produkten normal, technisch gut erklärbar und in aller Regel harmlos. Entscheidend ist, dass Sie in den ersten 48 Stunden richtig reagieren – dann erledigt sich die Sache meist von selbst. In diesem Ratgeber lesen Sie, woher der Geruch stammt, was VOC wirklich bedeuten, wie lange das Ausdünsten realistisch dauert und wann Sie tatsächlich hellhörig werden sollten.

Die kurze Antwort: Der Geruch einer neuen Matratze entsteht durch flüchtige organische Verbindungen (VOC), die nach der Schaumproduktion noch im Material eingeschlossen sind und sich beim Öffnen der Vakuumfolie lösen. Bei zertifizierten Matratzen liegen die Konzentrationen weit unter den gesundheitlich diskutierten Richtwerten. Rechnen Sie damit, dass der Geruch nach 24 bis 72 Stunden deutlich nachlässt und nach ein bis zwei Wochen praktisch verschwunden ist. Bezug abnehmen, Matratze frei stehen lassen und konsequent stosslüften verkürzt die Phase spürbar. Ein beissender, stechender oder muffig-modriger Geruch, der nach zwei Wochen unverändert bleibt, ist dagegen ein Grund für eine Reklamation.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Geruch stammt von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) aus der Schaumproduktion – nicht von «Chemie im Bett».
  • Deutliche Besserung nach 24–72 Stunden, vollständig geruchsneutral meist nach 7–14 Tagen.
  • Bezug abnehmen, Matratze aufrecht oder frei liegend lüften, Raumtemperatur bei 20–22 °C halten und 3–4× täglich 5–10 Minuten stosslüften.
  • OEKO-TEX Standard 100, CertiPUR oder eine Emissionsprüfung nach AgBB sind belastbare Anhaltspunkte für geprüfte Schadstoffwerte.
  • Stechender, säuerlicher oder modriger Geruch nach zwei Wochen: nicht aussitzen, sondern beim Händler melden.

Woher der Geruch bei einer neuen Matratze kommt

Polyurethan-Schäume – dazu gehören Kaltschaum, Viscoschaum und moderne Premium-Schäume wie EvoPoreHRC – entstehen durch eine chemische Reaktion zweier Komponenten, die im Werk zu einem Block aufschäumen. Dabei bleiben immer winzige Mengen an Reaktionsresten, Treibmitteln und Verarbeitungshilfsstoffen im Material zurück. Nach dem Schäumen reifen die Blöcke in der Regel mehrere Tage bis Wochen aus, bevor sie zugeschnitten werden. Wird die fertige Matratze anschliessend vakuumverpackt und gerollt, kann alles, was noch ausgast, nicht entweichen – es sammelt sich in der Folie. Genau diese konzentrierte Ladung nehmen Sie wahr, wenn Sie die Verpackung aufschneiden. Der Geruch ist also kein Zeichen von schlechter Qualität, sondern eine Folge der Logistik: Eine unverpackt gelagerte Matratze aus demselben Block hätte in derselben Situation deutlich weniger Geruch, weil sie im Lager bereits ausgedünstet ist. Auch der Bezug, der Klebstoff zwischen den Schaumschichten und bei Federkernmatratzen das Öl auf den Stahlfedern tragen ihren Teil bei. Wie Sie beim ersten Auspacken am besten vorgehen, lesen Sie im Detail unter Matratze richtig auspacken.

Neue Matratze wird aus der Vakuumverpackung gerollt
Beim Öffnen der Vakuumfolie entweicht auf einen Schlag alles, was sich während des Transports angesammelt hat.

Was VOC sind – und wie man sie einordnet

VOC steht für «volatile organic compounds», also flüchtige organische Verbindungen. Der Begriff klingt bedrohlicher, als er ist: Auch eine geschälte Orange, frisch gestrichene Wände, ein Weihnachtsbaum oder Kaffee setzen VOC frei. Entscheidend ist nicht die Anwesenheit, sondern die Konzentration und die Art der Verbindungen. In Innenräumen wird die Gesamtbelastung als TVOC-Wert in Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Als hygienisch unbedenklich gilt in der Fachdiskussion ein Bereich unter etwa 300 µg/m³; ab rund 1000–3000 µg/m³ spricht man von erhöhten Werten, bei denen längerfristig gelüftet werden sollte. Eine frisch ausgepackte Schaummatratze kann in den ersten Stunden lokal messbare Spitzen erzeugen, die in einem normal grossen, gelüfteten Schlafzimmer aber innerhalb von ein bis drei Tagen deutlich abfallen. Untersuchungen von Verbraucherorganisationen an europäischen Matratzen zeigen regelmässig, dass geprüfte Produkte die relevanten Richtwerte einhalten. Kritisch bewertet werden dagegen einzelne Substanzgruppen wie bestimmte Weichmacher, Flammschutzmittel oder Isocyanat-Rückstände – und genau diese sind Gegenstand der gängigen Prüfsiegel. Mehr dazu im Ratgeber OEKO-TEX und Schadstoffe in Matratzen.

Wie lange dauert das Ausdünsten wirklich?

Die ehrliche Antwort lautet: Es hängt vom Material, der Raumtemperatur und vor allem vom Luftwechsel ab. Wärme beschleunigt die Ausgasung, kalte und stehende Luft verlangsamt sie. Ein Schlafzimmer bei 21 °C, das mehrmals täglich quergelüftet wird, wird deutlich schneller geruchsneutral als ein 16 °C kühler, selten gelüfteter Raum. Die folgende Tabelle gibt realistische Erfahrungswerte für den typischen Verlauf.

Matratzentyp Geruch deutlich reduziert Praktisch geruchsneutral
Kaltschaum, vakuumverpackt 24–48 Stunden 5–10 Tage
Visco-/Memory-Schaum 48–72 Stunden 7–14 Tage
Gelschaum 24–72 Stunden 7–14 Tage
Latex (Natur- und Synthese) 3–7 Tage (typischer Latexgeruch) 2–4 Wochen, Restnote kann bleiben
Taschenfederkern mit Schaumauflage 12–24 Stunden 3–7 Tage

Latex ist der Sonderfall: Der leicht milchig-gummiartige Eigengeruch von Naturlatex ist materialtypisch und verschwindet bei manchen Modellen nie vollständig. Wer geruchsempfindlich ist, sollte das vor dem Kauf wissen. Ein Vergleich der Materialeigenschaften findet sich unter Matratzentypen im Vergleich.

Schritt für Schritt: so lüften Sie richtig aus

Mit dem richtigen Vorgehen verkürzen Sie die Geruchsphase oft auf ein bis zwei Tage. So gehen Sie vor:

1. Sofort auspacken

Öffnen Sie die Folie am besten direkt nach der Lieferung, nicht erst nach zwei Wochen im Keller. Je länger die Matratze eingeschweisst bleibt, desto konzentrierter ist der erste Schwall. Schneiden Sie die Folie vorsichtig auf und entsorgen Sie sie sofort, sie hält den Geruch sonst im Raum.

2. Bezug abnehmen

Ist der Bezug mit einem umlaufenden Reissverschluss versehen, ziehen Sie ihn ab. Der freiliegende Schaumkern gast erheblich schneller aus als durch mehrere Textilschichten hindurch. Den Bezug können Sie parallel bei 60 °C waschen – Details dazu im Beitrag Matratzenbezug waschen.

3. Frei stellen und stosslüften

Stellen Sie die Matratze aufrecht an eine Wand oder legen Sie sie so auf den Lattenrost, dass Luft von allen Seiten zirkulieren kann. Lüften Sie 3–4× täglich für 5–10 Minuten mit weit geöffnetem Fenster, idealerweise als Querlüftung. Dauerhaft gekippte Fenster bringen kaum Luftwechsel, kühlen die Wände aber aus – wie Sie effizient lüften, erklärt Richtig lüften für ein gutes Schlafklima.

4. Wärme nutzen, Feuchtigkeit vermeiden

20–22 °C sind ideal. Direkte Sonneneinstrahlung über Stunden sollten Sie vermeiden, weil UV-Licht Schaumstoff und Bezugsfasern langfristig schädigt. Feuchte Hausmittel wie Essigwasser oder aufgesprühte Duftlösungen gehören nicht in den Schaumkern: Feuchtigkeit trocknet dort nur langsam und begünstigt Schimmel.

Häufige Fehler beim Ausdünsten

Der mit Abstand häufigste Fehler ist Ungeduld in die falsche Richtung: Die Matratze wird sofort mit Spannbettlaken, Topper, Matratzenschoner und Duvet zugedeckt und dann darüber geklagt, dass der Geruch bleibt. Jede zusätzliche Schicht wirkt wie ein Deckel. Fehler zwei: Duftsprays, Raumparfüm oder Deo auf die Matratze sprühen. Das überlagert den Geruch nur, verzögert das eigentliche Ausgasen und hinterlässt Rückstände im Schaum. Fehler drei: Backpulver oder Natron grosszügig einstreuen und tagelang liegen lassen. Als Fettbinder gegen Schweissgeruch hat Natron seine Berechtigung, gegen frisches VOC-Ausgasen ist es weitgehend wirkungslos – und Pulverreste lassen sich aus offenporigem Schaum nur schwer wieder heraussaugen. Fehler vier: den Raum bei geschlossenem Fenster stark aufheizen. Wärme ohne Luftwechsel erhöht die Konzentration im Zimmer, statt sie abzubauen. Und Fehler fünf: die Matratze wegen des Geruchs nach drei Tagen zurückschicken. Nutzen Sie stattdessen die Probeschlafphase – die Eingewöhnung des Körpers dauert ohnehin länger, wie Matratze eingewöhnen zeigt.

Schlafzimmer mit weit geöffnetem Fenster zum Lüften
Querlüften für 5–10 Minuten, mehrmals täglich: die wirksamste Massnahme gegen den Neugeruch.

Mythen im Faktencheck

«Der Geruch bedeutet, dass giftige Stoffe ausdünsten.» Die menschliche Nase ist bei manchen Verbindungen extrem empfindlich und nimmt Konzentrationen im Bereich weniger Mikrogramm wahr, lange bevor eine gesundheitliche Relevanz beginnt. Geruchsintensität und Gefährdung sind nicht dasselbe. «Teure Matratzen riechen nicht.» Auch hochwertige Schäume gasen aus, teils sogar deutlich, weil sie offenporiger sind. Der Preis sagt vor allem etwas über Haltbarkeit und Verarbeitung aus, nicht über den Neugeruch. «Naturmaterialien riechen gar nicht.» Naturlatex, Kokos und Rosshaar haben ausgeprägte Eigengerüche, die oft länger anhalten als der von synthetischem Schaum. «Ein Luftreiniger löst das Problem.» Geräte mit Aktivkohlefilter können Gerüche mindern, ersetzen den Luftaustausch aber nicht – der günstigste und wirksamste «Filter» bleibt das offene Fenster. «Wenn es riecht, kann ich nicht darauf schlafen.» Bei zertifizierten Matratzen spricht nichts dagegen, nach 24–48 Stunden Lüftung darauf zu schlafen. Wer empfindlich reagiert, wartet lieber zwei bis drei Nächte länger.

Wann der Geruch ein Warnsignal ist

Es gibt Situationen, in denen Sie nicht abwarten sollten. Ein scharfer, stechender Geruch, der die Augen tränen lässt oder im Hals kratzt, ist nicht typisch für Neuware und sollte beim Händler gemeldet werden. Dasselbe gilt für einen muffig-modrigen oder kellerartigen Geruch: Er deutet auf Feuchtigkeit hin – etwa weil die Matratze feucht verpackt oder nass gelagert wurde – und kann mit Schimmelbildung einhergehen. Auch ein säuerlicher, an Erbrochenes erinnernder Geruch ist untypisch. Wenn der Neugeruch nach zwei Wochen konsequenter Lüftung unverändert stark ist, ist das ebenfalls ein legitimer Reklamationsgrund. Und wenn Sie beim Schlafen auf der neuen Matratze wiederholt Kopfschmerzen, Reizhusten, brennende Augen oder Hautreaktionen bemerken, die verschwinden, sobald Sie woanders schlafen, sollten Sie die Matratze vorerst nicht weiter nutzen und die Beschwerden ärztlich abklären lassen. Solche Reaktionen sind selten, aber ernst zu nehmen – Menschen mit Asthma, Chemikaliensensitivität oder ausgeprägten Allergien reagieren empfindlicher als der Durchschnitt.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Prüfsiegel sind kein Marketing-Beiwerk, sondern der einzige praktikable Weg, Schadstoffwerte zu beurteilen, die Sie zu Hause nicht messen können. OEKO-TEX Standard 100 prüft Textilien und Schaumstoffe auf über 1000 Einzelsubstanzen, darunter Weichmacher, Schwermetalle, Pestizide und krebsverdächtige Farbstoffe. CertiPUR ist speziell auf Polyurethan-Schäume ausgerichtet und begrenzt unter anderem Formaldehyd, bestimmte Flammschutzmittel und den TVOC-Wert nach 72 Stunden Prüfkammer. Das AgBB-Schema beziehungsweise Emissionsprüfungen nach ISO 16000 messen die Ausgasung unter definierten Kammerbedingungen. Für Naturmaterialien sind zusätzlich GOTS (Bio-Baumwolle) und GOLS (Naturlatex) relevant. Achten Sie darauf, dass sich das Siegel auf die Matratze insgesamt bezieht und nicht nur auf den Bezugsstoff. Fragen Sie im Zweifel beim Händler nach der Prüfnummer – seriöse Anbieter nennen sie ohne Zögern. Ein Anbieter mit langer Probeschlafphase gibt Ihnen ausserdem den nötigen Puffer, um in Ruhe zu beurteilen, ob Material und Geruch zu Ihnen passen; wie das praktisch funktioniert, beschreibt Matratze online kaufen und probeschlafen.

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Häufige Fragen zum Geruch neuer Matratzen

Wie lange muss eine neue Matratze ausdünsten, bevor ich darauf schlafen kann?

In der Regel reichen 24 bis 48 Stunden gut gelüftet, damit der Geruch deutlich nachlässt und Sie bedenkenlos darauf schlafen können. Wer geruchsempfindlich ist oder unter Asthma leidet, wartet besser zwei bis drei Nächte. Vollständig geruchsneutral wird eine Schaummatratze meist erst nach ein bis zwei Wochen.

Ist der Geruch einer neuen Matratze gesundheitsschädlich?

Bei schadstoffgeprüften Matratzen mit OEKO-TEX-, CertiPUR- oder vergleichbarem Zertifikat liegen die Emissionen unter den gesundheitlich diskutierten Richtwerten. Der Geruch ist unangenehm, aber nach heutigem Kenntnisstand nicht schädlich. Treten wiederholt Kopfschmerzen, Reizhusten oder Hautreaktionen auf, sollten Sie die Matratze vorerst nicht nutzen und ärztlichen Rat einholen.

Was hilft am schnellsten gegen den Geruch?

Am wirksamsten ist die Kombination aus Bezug abnehmen, Matratze frei stellen und drei- bis viermal täglich fünf bis zehn Minuten quer zu lüften, bei 20 bis 22 Grad Raumtemperatur. Duftsprays, Essigwasser oder dickes Einstreuen von Natron bringen dagegen kaum etwas und können Rückstände oder Feuchtigkeit im Schaum hinterlassen.

Riechen alle Matratzentypen gleich stark?

Nein. Vakuumverpackte Visco- und Gelschäume riechen am intensivsten, weil sie dicht und offenporig zugleich sind. Taschenfederkernmatratzen riechen meist am wenigsten und am kürzesten. Naturlatex hat einen materialtypischen, milchig-gummiartigen Eigengeruch, der Wochen anhalten und bei manchen Modellen dauerhaft leicht wahrnehmbar bleiben kann.

Kann ich die Matratze zum Ausdünsten auf den Balkon stellen?

Nur kurz und nur bei trockenem Wetter im Schatten. Direkte Sonne schädigt Schaumstoff und Bezugsfasern über die Zeit, und Luftfeuchtigkeit oder ein plötzlicher Regenschauer bringen Nässe in den Kern, die dort nur sehr langsam trocknet. Ein gut gelüfteter Innenraum ist die sicherere Wahl.

Wann sollte ich eine riechende Matratze reklamieren?

Wenn der Geruch stechend, säuerlich oder muffig-modrig ist, wenn er nach zwei Wochen konsequenter Lüftung unverändert stark bleibt oder wenn Sie beim Schlafen wiederholt körperliche Beschwerden bemerken. Melden Sie sich in diesen Fällen beim Händler – innerhalb einer Probeschlafphase ist die Rückgabe meist unkompliziert.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung.

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