Die Kaltschaummatratze ist in der Schweiz der meistverkaufte Matratzentyp – und gleichzeitig der, bei dem die Qualitätsunterschiede am grössten sind. Zwei Matratzen können beide «Kaltschaum» auf dem Etikett tragen und sich trotzdem um den Faktor drei im Preis und in der Haltbarkeit unterscheiden. Wer nur auf den Begriff achtet, kauft im Blindflug. Dieser Ratgeber erklärt, was Kaltschaum überhaupt ist, welche Kennzahlen wirklich etwas aussagen und wo die Bauart an ihre Grenzen stösst. Am Ende wissen Sie, worauf Sie beim Kauf achten müssen – und welche Verkaufsargumente Sie getrost ignorieren können.
Die kurze Antwort: Eine Kaltschaummatratze besteht aus aufgeschäumtem Polyurethan, das ohne Hitzezufuhr aushärtet und dabei eine offenporige Zellstruktur bildet. Diese offenen Poren machen den Schaum atmungsaktiv, leicht und elastisch. Entscheidend für die Qualität ist das Raumgewicht: Unter 40 kg/m³ ist die Matratze meist innerhalb weniger Jahre durchgelegen, ab 50 kg/m³ wird es langlebig. Kaltschaum reagiert schnell und federt zügig zurück – wer eine sanftere, körpernahe Anpassung sucht, ist mit adaptivem Memory-Schaum besser bedient.
- Kaltschaum härtet ohne Hitze aus und bildet dabei eine offenporige, atmungsaktive Zellstruktur.
- Das Raumgewicht (RG) ist die wichtigste Qualitätskennzahl: unter 40 kg/m³ Finger weg, ab 50 kg/m³ gute Langlebigkeit.
- Stärken: leicht (10–18 kg), gutes Feuchtigkeitsmanagement, gute Wärmedämmung, geringe Bewegungsübertragung.
- Schwächen: reagiert schnell statt anschmiegend, kann bei niedriger Qualität rasch weich werden und Kuhlen bilden.
Was Kaltschaum eigentlich ist
Der Name führt leicht in die Irre. «Kalt» bezieht sich nicht auf das Liegegefühl, sondern auf den Herstellungsprozess: Die Ausgangsstoffe reagieren chemisch miteinander und härten aus, ohne dass von aussen Hitze zugeführt werden muss. Beim Aufschäumen platzen die Zellwände teilweise auf, sodass ein Netz aus offenen, miteinander verbundenen Poren entsteht. Genau diese offene Struktur unterscheidet Kaltschaum vom älteren, geschlossenzelligen Komfortschaum. Luft und Feuchtigkeit können durch das Material wandern, was das Schlafklima deutlich verbessert. Zusätzlich wird die Oberfläche meist profiliert – mit Einschnitten, Wellen oder Noppen –, um die Elastizität gezielt zu steuern und die Belüftung weiter zu erhöhen. Eine typische Kernhöhe liegt bei 14 bis 20 Zentimetern.

Raumgewicht: die einzige Zahl, die wirklich zählt
Das Raumgewicht gibt an, wie viel Kilogramm Rohmaterial in einem Kubikmeter Schaum stecken. Es ist kein Mass für die Härte, sondern für die Substanz – und damit der beste verfügbare Indikator für Haltbarkeit. Ein Schaum mit RG 30 enthält schlicht weniger Material und verliert entsprechend schneller seine Rückstellkraft. Leider wird das Raumgewicht nicht überall ausgewiesen. Wenn ein Anbieter die Zahl nicht nennt, ist das selbst schon eine Information. Die folgende Einordnung hilft bei der Bewertung.
| Raumgewicht | Einordnung | Realistische Lebensdauer |
|---|---|---|
| RG 25–35 | Billigsegment, Aktionsware | 2–4 Jahre |
| RG 40–45 | solide Mittelklasse | 5–7 Jahre |
| RG 50–60 | hochwertig | 8–12 Jahre |
| über RG 60 | Premium, meist Spezialschäume | 10–15 Jahre |
Neben dem Raumgewicht wird oft die Stauchhärte genannt, gemessen in Kilopascal. Sie beschreibt den Widerstand beim Zusammendrücken – also das, was man umgangssprachlich Härte nennt. Verwechseln Sie die beiden Werte nicht: Ein schwerer Schaum kann weich sein und ein leichter hart. Nur der eine sagt etwas über Haltbarkeit aus.
Die Vorteile im Alltag
Kaltschaum ist leicht. Ein 160er-Modell wiegt oft nur 12 bis 18 Kilogramm, lässt sich also allein wenden, transportieren und in eine Wohnung im vierten Stock tragen. Das Material dämmt Wärme besser als ein Federkern, was in kühlen Schlafzimmern angenehm ist – wer schnell friert, schätzt das. Gleichzeitig transportiert die offene Zellstruktur Feuchtigkeit gut ab, sofern der Lattenrost Luft von unten zulässt. Die Bewegungsübertragung ist sehr gering, was im Doppelbett zählt – siehe dazu unseren Beitrag zur Matratze für Paare. Und weil Kaltschaum vakuumverpackt versendet werden kann, ist der Online-Kauf logistisch unkompliziert.
Wo Kaltschaum an Grenzen stösst
Kaltschaum ist ein schnell rückstellendes Material. Drückt man hinein, springt es fast sofort zurück. Das ist beim Umdrehen praktisch, bedeutet aber auch: Der Schaum arbeitet gegen den Körper, statt sich still an ihn anzulegen. An empfindlichen Druckpunkten – Schulter, Hüfte, Steissbein – spüren manche Menschen diesen Gegendruck deutlich. Hier liegt der zentrale Unterschied zu viscoelastischem Memory-Schaum, der langsamer nachgibt und die Körperkontur genauer nachzeichnet. Zweite Grenze: Billiger Kaltschaum verliert schnell an Spannkraft. Kuhlen von mehr als zwei Zentimetern nach zwei Jahren sind bei RG 30 keine Seltenheit. Dritte Grenze: Neue Kaltschaummatratzen können anfangs riechen. Das ist normal und verfliegt meist innerhalb von einer bis zwei Wochen bei gutem Lüften.
Kaltschaum, Federkern und Latex im direkten Vergleich
Keine Bauart ist grundsätzlich besser – sie unterscheiden sich in dem, was sie gut können. Federkern punktet beim Klima und bei der Kantenstabilität, ist aber schwer und arbeitet flächiger. Latex ist sehr langlebig und punktelastisch, aber teuer und mit 30 bis 45 Kilogramm richtig schwer. Kaltschaum liegt in der Mitte: leicht, gut isolierend, preislich breit gestreut, aber in der Qualität extrem unterschiedlich. Wer die Bauarten systematisch gegenüberstellen möchte, findet das im Matratzentypen-Vergleich. Und wer wissen will, welche Preisklasse realistisch ist, liest am besten was eine gute Matratze kostet.
Pflege und Lebensdauer verlängern
Kaltschaum braucht Luft. Stellen Sie die Matratze nie direkt auf eine geschlossene Bettplatte, sondern immer auf einen Lattenrost mit maximal vier Zentimeter Lattenabstand. Lüften Sie das Schlafzimmer morgens fünf bis zehn Minuten quer und schlagen Sie die Decke zurück, statt das Bett sofort zu machen – so kann die über Nacht aufgenommene Feuchtigkeit entweichen. Drehen Sie die Matratze alle drei Monate von Kopf auf Fuss, damit sich die Belastung verteilt. Den Bezug sollten Sie zwei- bis dreimal jährlich bei 60 Grad waschen. Der Kern selbst darf nie in die Waschmaschine und nicht nass gereinigt werden; Flecken werden punktuell mit wenig Wasser und mildem Reiniger behandelt und anschliessend gründlich getrocknet.

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Häufige Fragen zur Kaltschaummatratze
Welches Raumgewicht sollte eine Kaltschaummatratze mindestens haben?
Als Minimum für den täglichen Gebrauch gelten 40 kg/m³. Darunter verliert der Schaum meist schon nach zwei bis vier Jahren spürbar an Rückstellkraft. Wer eine Matratze acht Jahre oder länger nutzen möchte, sollte auf mindestens 50 kg/m³ achten. Für ein Gastbett, das nur wenige Nächte im Jahr belegt ist, reicht auch ein niedrigeres Raumgewicht aus.
Ist eine Kaltschaummatratze zu warm im Sommer?
Kaltschaum dämmt Wärme stärker als ein Federkern, staut sie aber nicht, solange die Luft zirkulieren kann. Entscheidend sind ein offener Lattenrost, ein atmungsaktiver Bezug und eine Raumtemperatur von 16 bis 19 Grad. Wer generell stark schwitzt, kombiniert die Matratze mit leichter Baumwoll- oder Leinenbettwäsche und verzichtet auf einen dicken, geschlossenen Matratzenschoner.
Warum riecht meine neue Kaltschaummatratze?
Der Geruch stammt von restlichen flüchtigen Verbindungen aus der Produktion und ist bei vakuumverpackten Matratzen besonders in den ersten Tagen wahrnehmbar. Lassen Sie die Matratze nach dem Auspacken 24 bis 72 Stunden in einem gut gelüfteten Raum ohne Bettwäsche liegen. In der Regel verfliegt der Geruch innerhalb von ein bis zwei Wochen vollständig. Ein Oeko-Tex- oder vergleichbares Prüfsiegel gibt zusätzliche Sicherheit bei den Schadstoffwerten.
Kann man eine Kaltschaummatratze wenden?
Das hängt vom Modell ab. Matratzen mit gleichem Aufbau auf beiden Seiten können gewendet werden. Viele moderne Modelle haben jedoch eine definierte Liege- und eine Unterseite, teils mit unterschiedlicher Profilierung für Sommer und Winter. Diese Matratzen dreht man nur von Kopf auf Fuss. Ein Blick auf das Etikett oder die Herstellerangabe klärt das zuverlässig.
Kaltschaum oder Memory-Schaum – was ist besser?
Kaltschaum federt schnell zurück und fühlt sich elastischer an, Memory-Schaum gibt langsamer nach und zeichnet die Körperkontur genauer nach. Bei ausgeprägten Druckpunkten an Schulter oder Hüfte ist adaptiver Memory-Schaum meist im Vorteil, weil er den Druck grossflächiger verteilt. Wer ein federndes Liegegefühl bevorzugt und sich nachts viel bewegt, kommt mit hochwertigem Kaltschaum gut zurecht.










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