Matratze wenden

Matratze mit Wendegriffen: Wozu dienen die Griffe – und wie wendet man richtig?

Wendegriff an der Seite einer Matratze in Nahaufnahme

Vier unscheinbare Stoffschlaufen an den Seiten – und doch sorgen Wendegriffe beim Matratzenkauf regelmässig für Fragen: Braucht man sie wirklich? Halten sie das Gewicht aus? Und warum verzichten manche Hersteller bewusst darauf? Tatsächlich sind Wendegriffe mehr als Dekoration: Bei Matratzen, die 15 bis 40 kg wiegen, entscheiden sie darüber, ob das regelmässige Drehen und Wenden eine Sache von zwei Minuten ist oder ein schweisstreibender Kampf, bei dem Bandscheiben und Fingernägel leiden. Gleichzeitig ranken sich Missverständnisse um die Griffe: Sie sind zum Positionieren gedacht, nicht zum Tragen – wer die Matratze daran durchs Treppenhaus schleppt, reisst sie früher oder später aus. Dieser Artikel erklärt, was Wendegriffe leisten, welche Bauformen es gibt, wie Sie richtig drehen und wenden – und warum moderne einseitige Matratzen das Wenden teilweise überflüssig machen.

Die kurze Antwort: Wendegriffe sind seitlich vernähte Schlaufen oder Griffmulden, die das Drehen (180 Grad in der Ebene) und Wenden (Ober- zur Unterseite) der Matratze erleichtern. Sie sind auf Zug beim Positionieren ausgelegt – typisch 10 bis 25 kg pro Griff – und nicht zum freien Tragen der ganzen Matratze gedacht. Empfohlen wird das Drehen alle 1 bis 3 Monate; gewendet wird nur, wenn beide Seiten als Liegeflächen konzipiert sind. Bei schweren Matratzen ab etwa 25 kg lohnt sich das Wenden zu zweit – mit Technik statt Kraft.

Das Wichtigste in Kürze
  • Drehen (Kopf- zu Fussende) gleicht die Belastung aus und ist bei fast allen Matratzen alle 1–3 Monate sinnvoll; Wenden (oben/unten tauschen) nur bei beidseitigen Liegeflächen.
  • Wendegriffe sind Positionierhilfen: Sie halten je nach Verarbeitung 10–25 kg Zuglast – die ganze Matratze frei daran zu tragen, überlastet die Nähte.
  • Vier vertikale Griffe (einer pro Seite/Ecke) sind der praktische Standard; eingenähte Griffmulden sind stabiler als aufgesetzte Schlaufen.
  • Matratzen wiegen je nach Material 15–40 kg (90×200 bis 180×200 cm) – ab etwa 25 kg empfiehlt sich das Wenden zu zweit.
  • Fehlende Griffe sind kein Qualitätsmangel: Viele moderne einseitige Matratzen mit waschbarem Bezug kommen bewusst ohne aus, weil nur gedreht werden muss.

Wofür sind Wendegriffe da – und wofür nicht?

Die Aufgabe der Griffe ist klar umrissen: Sie geben den Händen einen definierten Angriffspunkt, wenn die Matratze auf dem Lattenrost gedreht, gewendet, zurechtgerückt oder zum Lüften aufgestellt wird. Ohne Griffe bleibt nur der Griff unter die Matratze oder das Fassen am Bezugsstoff – beides unergonomisch und für Bezug wie Bandscheiben ungünstig. Genauso wichtig ist, was Griffe nicht sind: Tragegriffe für den Transport. Die Schlaufen sind mit dem Bezug vernäht, nicht mit dem Kern – hängt das volle Matratzengewicht frei daran, wirken auf jede Naht schnell 10 bis 20 kg Dauerzug plus Lastspitzen beim Anheben. Ausgerissene Griffe sind einer der häufigsten Bezugsschäden und meist kein Garantiefall, weil sie als unsachgemässe Nutzung gelten. Für den Umzug gilt daher: Matratze in eine Schutzhülle packen, von unten greifen oder Tragegurte verwenden – die besten Techniken zeigt der Beitrag Matratze transportieren beim Umzug.

Drehen oder Wenden: Was braucht Ihre Matratze wirklich?

Die Begriffe werden oft vermischt, meinen aber Verschiedenes. Drehen heisst: Die Matratze bleibt mit derselben Seite oben und wird um 180 Grad gedreht, Kopf- und Fussende tauschen. Das verteilt die Belastung – der schwere Beckenbereich liegt abwechselnd auf verschiedenen Kernzonen – und beugt einseitigen Liegekuhlen vor. Empfohlen: alle 1 bis 3 Monate, bei neuen Matratzen im ersten halben Jahr eher monatlich. Wenden heisst: Ober- und Unterseite tauschen. Das ergibt nur Sinn, wenn beide Seiten als vollwertige Liegeflächen aufgebaut sind – bei klassischen beidseitigen Kernen der Fall, nicht aber bei modernen Schichtmatratzen mit definierter Unterseite (erkennbar an Anti-Rutsch-Gewebe oder Herstelleretikett). Solche einseitigen Matratzen dürfen nur gedreht werden; falsches Wenden legt die weiche Komfortschicht nach unten und die Stützschicht nach oben – unbequem und materialschädlich. Welche Intervalle für welchen Matratzentyp gelten und woran Sie erste Kuhlen erkennen, vertiefen die Beiträge Matratze drehen oder wenden und Matratze durchgelegen erkennen.

Bauformen und Qualität: Woran Sie gute Griffe erkennen

Nicht alle Griffe sind gleich gebaut. Die einfachste Form sind aufgesetzte Stoffschlaufen, die nur mit dem Bezugsstoff vernäht sind – funktional, aber begrenzt belastbar. Hochwertiger sind Griffe, die in die Bordüren-Naht eingearbeitet oder mit Verstärkungsgewebe hinterlegt sind: Sie verteilen den Zug auf eine grössere Fläche und halten 20 bis 25 kg statt 10 bis 15 kg. Eine dritte Variante sind Griffmulden – in den Border eingelassene, versteifte Taschen, in die die Hand von oben greift; sie sind besonders reissfest, aber aufwendiger zu fertigen. Zur Anzahl: Üblich sind vier Griffe, je zwei an den Längsseiten – damit lässt sich jede Dreh- und Wendebewegung ausführen. Sechs oder acht Griffe bringen bei grossen Doppelmatratzen ab 160 cm Breite echten Mehrwert. Prüfen können Sie die Qualität mit einem einfachen Test: kräftig, aber gleichmässig am Griff ziehen – hören Sie Nähte knistern oder sehen Sie den Stoff Wellen ziehen, ist die Verankerung schwach. Bei waschbaren Bezügen sollten die Griffe zudem so platziert sein, dass der Reissverschluss frei läuft – Details dazu im Ratgeber Matratzenbezug waschen.

Griffart Belastbarkeit (Richtwert) Stärken Schwächen
Aufgesetzte Stoffschlaufe ca. 10–15 kg Günstig, weit verbreitet Naht kann bei Zug ausreissen
In Naht eingearbeiteter Griff ca. 15–25 kg Zug wird auf Bordüre verteilt Etwas teurer in der Fertigung
Griffmulde im Border ca. 20–25 kg Sehr reissfest, ergonomischer Griff Selten, aufwendig
Ohne Griffe (einseitige Matratze) Kein Ausreissrisiko, glatter Border Drehen erfordert etwas mehr Grifftechnik
Wendegriff an der Seite einer Matratze in Nahaufnahme
Gut vernähte Griffe verteilen den Zug auf die Bordüre – gedacht zum Positionieren, nicht zum Tragen.

Schritt für Schritt: Matratze rückenschonend drehen und wenden

Mit der richtigen Technik wird aus dem Kraftakt eine Routineübung. Zum Drehen (180 Grad in der Ebene): Bettwäsche und Auflagen entfernen, die Matratze mit den Griffen 20 bis 30 cm zum Fussende ziehen, dann an einer Ecke fassen und die Matratze wie einen Uhrzeiger über die Diagonale drehen – der Lattenrost dient als Drehteller, das Gewicht bleibt liegen. Zum Wenden (Seiten tauschen): Die Matratze zuerst quer zur Bettmitte ziehen, dann hochkant auf die Längskante stellen – dabei in die Knie gehen und mit geradem Rücken arbeiten, die Kraft kommt aus den Beinen. Anschliessend kontrolliert auf die andere Seite abkippen und zurechtrücken. Wichtig: ziehen statt heben, wo immer möglich – die Griffe sind genau dafür gemacht. Ab etwa 25 kg Matratzengewicht (viele 160×200er, fast alle Latexmodelle) arbeiten Sie besser zu zweit: eine Person pro Längsseite, Kommandos absprechen, gleichzeitig kippen. Nutzen Sie den Anlass gleich doppelt: Lattenrost absaugen, Matratzenunterseite auf Stockflecken prüfen und die Matratze eine halbe Stunde hochkant auslüften lassen – warum sich das lohnt, erklärt der Beitrag zur Matratzen-Belüftung.

Häufige Fehler rund um Wendegriffe

Fehler 1: Die Matratze an den Griffen durchs Treppenhaus tragen – der Klassiker, der Nähte ausreissen lässt und Garantieansprüche gefährdet. Fehler 2: Einseitige Matratzen wenden, weil «man das so macht» – vorher immer das Etikett prüfen; liegt die Stützschicht oben, leidet Schlafkomfort und Material. Fehler 3: Ruckartig an einem einzelnen Griff reissen, statt den Zug auf zwei Griffe zu verteilen. Fehler 4: Mit rundem Rücken aus dem Stand heben – bei 25 bis 40 kg Matratzengewicht eine Einladung für den Hexenschuss; Knie beugen, Rücken gerade, Last nah am Körper. Fehler 5: Das Drehen jahrelang auslassen – einseitige Dauerbelastung ist der schnellste Weg zur Liegekuhle, gerade bei Paaren mit festen Bettseiten. Fehler 6: Beschädigte Griffe weiterbenutzen; ein angerissener Griff reisst unter Last komplett aus und beschädigt dabei oft den Bezug. Kleine Näharbeiten lohnen sich früh. Wie lange eine gut gepflegte Matratze insgesamt durchhält, lesen Sie im Beitrag zur Lebensdauer einer Matratze.

Kaufkriterium Wendegriffe: Wie wichtig sind sie wirklich?

Ehrliche Antwort: Wendegriffe sind ein Komfortmerkmal, kein Qualitätsbeweis – und ihr Fehlen ist kein Ausschlusskriterium. Entscheidend ist die Gesamtkonstruktion: Eine einseitige Matratze mit hochwertigem, formstabilem Kern muss nur gedreht werden – ein Vorgang, der auch ohne Griffe mit der Diagonaltechnik gut gelingt, zumal moderne Bezüge griffigen Stoff bieten. Beidseitige, schwere Matratzen (Latex, hohe Federkerne) profitieren dagegen spürbar von vier stabilen Griffen. Gewichten Sie beim Kauf deshalb so: erst Kernqualität, Stützverhalten und Klimaeigenschaften, dann Bezug und Waschbarkeit – und erst danach Ausstattungsdetails wie Griffe. Ein durchdachtes Gesamtpaket erkennen Sie letztlich nicht am Border, sondern im Schlaf: über Wochen, im eigenen Bett. Genau dafür gibt es ausgedehnte Testphasen – worauf Sie dabei achten sollten, zeigt der Ratgeber Matratze online kaufen und probeschlafen.

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Häufige Fragen zu Wendegriffen

Wozu dienen die Griffe an der Matratze?

Sie erleichtern das Drehen, Wenden, Zurechtrücken und Aufstellen der Matratze im Bett. Die Schlaufen geben den Händen einen sicheren Angriffspunkt, sodass weder Bezug noch Rücken überlastet werden. Zum Tragen der ganzen Matratze sind sie nicht gedacht.

Wie viel Gewicht halten Wendegriffe aus?

Je nach Verarbeitung 10 bis 25 kg Zuglast pro Griff. Aufgesetzte Schlaufen liegen am unteren, in die Bordüren-Naht eingearbeitete Griffe und Griffmulden am oberen Ende. Hängt das volle Matratzengewicht frei an den Griffen, können die Nähte ausreissen.

Wie oft sollte man die Matratze drehen oder wenden?

Drehen (Kopf- und Fussende tauschen) alle 1 bis 3 Monate, bei neuen Matratzen anfangs monatlich. Gewendet (Ober- und Unterseite getauscht) wird nur, wenn beide Seiten als Liegefläche konzipiert sind – das verrät das Herstelleretikett.

Darf man jede Matratze wenden?

Nein. Viele moderne Matratzen sind einseitig aufgebaut: unten Stützschicht, oben Komfortschicht. Sie dürfen nur gedreht, nicht gewendet werden. Erkennbar ist die definierte Unterseite an Anti-Rutsch-Gewebe oder entsprechender Kennzeichnung.

Sind Matratzen ohne Griffe schlechter?

Nein. Fehlende Griffe sind kein Qualitätsmangel – viele hochwertige einseitige Matratzen verzichten bewusst darauf, weil nur gedreht werden muss und das mit der Diagonaltechnik auch ohne Griffe gut gelingt. Wichtiger sind Kernqualität, Bezug und Stützverhalten.

Wie wendet man eine schwere Matratze allein?

Erst quer ziehen, dann hochkant auf die Längskante stellen und kontrolliert abkippen – mit gebeugten Knien, geradem Rücken und Zug statt Hebearbeit. Ab etwa 25 kg (grosse Doppel- und Latexmatratzen) ist Arbeiten zu zweit die deutlich sicherere Variante.

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