Gesundheit

Steissbeinschmerzen im Liegen: Wie lindern Sie den Schmerz nachts und beim Aufstehen?

Ringförmiges Sitzkissen und Kissen auf einem Bett

Steissbeinschmerzen sind tückisch: Tagsüber macht sich das kleine Knochenende am unteren Ende der Wirbelsäule vor allem beim Sitzen bemerkbar, doch nachts, wenn man sich hinlegt, kann der Schmerz genauso präsent sein – besonders in der Rückenlage, wenn das Körpergewicht direkt auf dem Steissbein lastet, und beim Aufstehen, wenn sich die Muskulatur des Beckenbodens anspannt. Medizinisch heisst das Beschwerdebild Kokzygodynie. Es betrifft Frauen etwa fünfmal häufiger als Männer, tritt oft nach einem Sturz auf das Gesäss, nach einer Geburt oder durch langes Sitzen auf harten Flächen auf und kann Wochen bis Monate anhalten. Wer nachts nicht zur Ruhe kommt, weil jede Lage drückt, findet in diesem Ratgeber konkrete Hilfe: welche Schlafpositionen das Steissbein entlasten, wie Matratze und Kissen den Druck verteilen, welche Hilfsmittel wirklich funktionieren und wann eine ärztliche Abklärung nötig ist.

Die kurze Antwort: Steissbeinschmerzen im Liegen lassen sich am besten durch Seitenlage mit Kissen zwischen den Knien oder durch Rückenlage mit angehobenen Knien lindern, wobei ein Kissen unter den Oberschenkeln das Becken leicht kippt und das Steissbein freilegt. Eine Matratze mit guter Druckverteilung ist wichtiger als eine harte Unterlage. Beim Aufstehen hilft die Drehung über die Seite statt des direkten Aufsetzens. Halten die Schmerzen länger als sechs bis acht Wochen an, sollte ein Arzt oder eine Ärztin die Ursache abklären.

Das Wichtigste in Kürze
  • Das Steissbein trägt in Rückenlage und beim Sitzen einen Teil des Körpergewichts – Druck ist der Hauptauslöser des Schmerzes.
  • Seitenlage mit Kniekissen ist die schonendste Position; Rückenlage nur mit angehobenen Oberschenkeln, die das Becken kippen.
  • Eine punktelastische Matratze verteilt das Gewicht auf Gesäss und Oberschenkel, statt es auf das Steissbein zu konzentrieren.
  • Beim Aufstehen über die Seite drehen und mit dem Arm hochdrücken – kein direktes Aufsetzen aus der Rückenlage.
  • Bei Schmerzen über sechs bis acht Wochen, nach einem Sturz oder mit Begleitsymptomen ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Warum das Steissbein im Liegen schmerzt

Das Steissbein (Os coccygis) besteht aus drei bis fünf verschmolzenen Wirbelresten und bildet das untere Ende der Wirbelsäule. Es ist über ein kleines Gelenk mit dem Kreuzbein verbunden und dient als Ansatz für Beckenbodenmuskeln und Bänder. Beim Sitzen und in der Rückenlage wird es zusammen mit den Sitzbeinhöckern belastet – normalerweise ohne Probleme. Ist das Gelenk aber gereizt, verschoben oder das umliegende Gewebe entzündet, reagiert es auf jeden Druck mit Schmerz. Typische Auslöser sind ein Sturz auf das Gesäss (Prellung oder selten Bruch), eine Geburt, bei der das Steissbein nach hinten gedrückt wird, stundenlanges Sitzen auf harten Stühlen oder Fahrradsattel, und seltener ein zu bewegliches oder zu steifes Steissbeingelenk.

Im Liegen kommen zwei Faktoren hinzu. In Rückenlage auf einer harten Fläche konzentriert sich das Gewicht des Beckens auf Kreuzbein und Steissbein – bei einem Erwachsenen sind das rund 20 bis 25 Prozent des Körpergewichts, also 15 bis 20 kg auf wenigen Quadratzentimetern. Und beim Übergang vom Liegen ins Sitzen und Stehen spannt sich der Beckenboden an, der am Steissbein ansetzt, was den charakteristischen stechenden Schmerz beim Aufstehen erklärt. Der Schlaf leidet doppelt: durch den Druckschmerz selbst und durch das häufige Umlagern, mit dem der Körper versucht, ihm auszuweichen. Welche Rolle die Schlafphasen für die Erholung spielen und weshalb Unterbrechungen so viel kosten, lesen Sie in unserem Grundlagenbeitrag.

Die besten Schlafpositionen bei Steissbeinschmerzen

Seitenlage: die erste Wahl

In der Seitenlage liegt das Steissbein frei, das Gewicht ruht auf Hüfte und Schulter. Ein Kissen zwischen den Knien von 10 bis 15 cm Dicke hält das Becken gerade und verhindert, dass das obere Bein nach vorne kippt und den Beckenboden verdreht. Die Knie dürfen leicht angezogen sein, aber nicht in eine enge Embryonalstellung, die das Steissbein nach innen zieht. Wer nachts unbewusst auf den Rücken rollt, kann ein festes Kissen oder eine zusammengerollte Decke hinter den Rücken legen – oder ein langes Seitenschläferkissen umarmen, das die Position stabilisiert.

Rückenlage mit gekipptem Becken

Wer nur auf dem Rücken schlafen kann, muss das Steissbein aus der Belastungszone holen. Das gelingt mit einem Kissen oder einer Rolle unter den Oberschenkeln – nicht unter den Knien, sondern etwas höher, direkt unterhalb des Gesässes. Dadurch kippt das Becken leicht nach hinten, das Kreuzbein liegt flacher auf und das Steissbein hebt sich um einige Millimeter von der Matratze ab. Eine Rolle von 12 bis 18 cm Durchmesser reicht. Alternativ funktioniert ein Ringkissen (Sitzring) mit Aussparung, das unter das Gesäss gelegt wird, allerdings verrutscht es nachts häufig.

Bauchlage: möglich, aber mit Vorbehalt

Die Bauchlage entlastet das Steissbein vollständig, belastet dafür Halswirbelsäule und Lendenwirbelsäule. Als Zwischenlösung in einer akuten Phase ist sie vertretbar, wenn ein flaches Kissen unter dem Bauch das Hohlkreuz reduziert. Als Dauerposition ist sie für die meisten Menschen ungünstig. Mehr zu den Positionen generell finden Sie im Beitrag Rückenschmerzen und Schlafposition.

Ringförmiges Sitzkissen und Kissen auf einem Bett
Sitzring und Kniekissen: einfache Hilfsmittel, die das Steissbein tagsüber und nachts entlasten.

Matratze und Unterlage: Druck verteilen statt konzentrieren

Bei Steissbeinschmerzen ist die Matratze kein Nebenschauplatz. Auf einer harten Unterlage liegt das Becken in Rückenlage auf drei Punkten auf: den beiden Sitzbeinhöckern und dem Kreuzbein-Steissbein-Bereich. Je härter die Fläche, desto weniger Kontaktfläche und desto höher der Druck pro Quadratzentimeter. Eine punktelastische Matratze lässt das Gesäss so weit einsinken, dass auch Oberschenkel und unterer Rücken mittragen – der Druck auf das Steissbein sinkt dadurch spürbar. Memory-Schaum und adaptive Schaumsysteme sind hier klar im Vorteil gegenüber Federkernen mit dünner Polsterung oder sehr festen Kaltschäumen.

Gleichzeitig darf das Becken nicht in eine Kuhle sinken, weil das die Lendenwirbelsäule krümmt und den Beckenboden unter Spannung setzt. Die Matratze soll also nachgeben, aber gleichmässig – bei durchgelegenen Matratzen mit Mulden ab 2 cm ist das nicht mehr gegeben. Wer seine Matratze noch nicht wechseln will, kann mit einem 5 bis 7 cm dicken Topper aus druckentlastendem Schaum eine deutliche Verbesserung erreichen; dünne Auflagen von 2 bis 3 cm bringen wenig. Was ein Topper leisten kann und was nicht, erklärt unser Matratzentopper-Ratgeber. Und bei der Bettdecke gilt: leicht, damit sie in der Seitenlage nicht das Becken nach unten drückt.

Massnahme Wirkung auf das Steissbein Aufwand
Seitenlage mit Kniekissen Vollständige Entlastung Gering
Rückenlage mit Rolle unter Oberschenkeln Beckenkippung, Steissbein frei Gering
Ringkissen unter dem Gesäss Aussparung, verrutscht nachts Gering
Druckentlastender Topper 5–7 cm Gewicht auf grössere Fläche verteilt Mittel
Punktelastische Matratze Beste Druckverteilung, alle Lagen Höher, langfristig

Aufstehen ohne Stich: die richtige Technik

Der Moment des Aufstehens ist bei Steissbeinschmerzen oft schlimmer als das Liegen selbst. Wer sich aus der Rückenlage direkt aufsetzt, rollt über das Steissbein und spannt gleichzeitig den Beckenboden an – die Kombination löst den typischen Stich aus. Die Alternative ist die Drehung über die Seite: Zuerst auf die Seite rollen, Knie leicht anziehen, dann die Beine über die Bettkante schieben und sich mit dem unteren Arm und der oberen Hand hochdrücken, bis man auf der Bettkante sitzt. Dabei sitzt man automatisch mehr auf den Oberschenkeln als auf dem Steissbein. Aus dem Sitzen dann mit leicht vorgeneigtem Oberkörper aufstehen, das Gewicht auf die Füsse verlagern, ohne sich mit dem Gesäss nach hinten abzustützen.

Die Betthöhe spielt mit: Ein Bett, dessen Matratzenoberkante etwa auf Kniekehlenhöhe liegt (meist 50 bis 60 cm), erlaubt das Aufstehen ohne tiefes Absenken des Beckens. Bei sehr niedrigen Betten unter 45 cm muss man sich aus der Hocke hochdrücken, was Beckenboden und Steissbein belastet. Ein Kopfteil oder ein stabiler Nachttisch zum Festhalten gibt zusätzliche Sicherheit. Beim Hinlegen die Bewegung umkehren: auf die Bettkante setzen, zur Seite legen, Beine hochnehmen – nie rücklings auf die Matratze fallen lassen.

Tagsüber und abends: was den Schlaf vorbereitet

Steissbeinschmerzen nachts sind oft die Rechnung für den Tag. Wer acht Stunden auf einem harten Bürostuhl sitzt, reizt das Gelenk so stark, dass es abends entzündet und druckempfindlich ist. Ein Keilkissen mit Aussparung für das Steissbein oder ein Sitzring reduziert die Belastung tagsüber, und alle 30 bis 45 Minuten kurz aufstehen entlastet zusätzlich. Beim Sitzen leicht nach vorne kippen, das Gewicht auf die Sitzbeinhöcker und die Oberschenkel bringen, nicht zurücklehnen. Autofahrten und Velofahren sollten in akuten Phasen kurz gehalten werden.

Am Abend hilft Wärme: ein warmes Bad von 37 bis 39 °C oder ein Kirschkernkissen auf dem Kreuzbein für 15 Minuten lockert die Beckenbodenmuskulatur, die bei chronischen Steissbeinschmerzen oft verspannt ist. Sanfte Dehnungen für Gesäss und Hüftbeuger – etwa die Taube aus dem Yoga oder das Knie-zur-Brust-Ziehen in Rückenlage, je 30 Sekunden pro Seite – reduzieren die Spannung am Steissbeinansatz. Bei anhaltenden Beschwerden ist Beckenbodenphysiotherapie oft der entscheidende Baustein, weil sie die Muskulatur behandelt, die am Steissbein zieht. Eine gute Abendroutine mit festen Zeiten unterstützt das Einschlafen zusätzlich.

Häufige Fehler und wann zum Arzt

Der häufigste Fehler ist der Griff zur harten Matratze in der Annahme, «fest» sei besser für den Rücken. Beim Steissbein ist das Gegenteil richtig: Härte konzentriert den Druck. Der zweite Fehler ist das Ringkissen als Dauerlösung fürs Sitzen – es kann bei längerem Gebrauch das Gewebe um die Aussparung herum überlasten; Keilkissen mit hinterer Aussparung sind meist besser. Der dritte Fehler ist das Vermeiden jeder Bewegung: Sanfte Aktivität und Dehnung fördern die Heilung, komplette Schonung verlängert sie. Der vierte Fehler ist das Aussitzen: Steissbeinschmerzen nach einem Sturz sollten innerhalb von wenigen Tagen ärztlich beurteilt werden, um einen Bruch auszuschliessen. Und generell gilt: Halten die Beschwerden länger als sechs bis acht Wochen an, treten sie ohne erkennbaren Auslöser auf, oder kommen Fieber, Gewichtsverlust, Blutungen oder Probleme mit Blase und Darm hinzu, ist eine Abklärung dringend nötig. In seltenen Fällen stecken andere Ursachen hinter dem Schmerz, die behandelt werden müssen.

Schlafzimmer mit Seitenschläferkissen und grüner Leinenbettwäsche
Ein langes Seitenschläferkissen hält die entlastende Seitenlage stabil – die beste Position bei Steissbeinschmerzen.

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Häufige Fragen zu Steissbeinschmerzen im Liegen

Welche Schlafposition ist bei Steissbeinschmerzen am besten?

Die Seitenlage mit einem 10 bis 15 cm dicken Kissen zwischen den Knien. Sie legt das Steissbein vollständig frei. In Rückenlage hilft eine Rolle unter den Oberschenkeln, die das Becken kippt und das Steissbein anhebt.

Ist eine harte Matratze bei Steissbeinschmerzen besser?

Nein. Eine harte Matratze konzentriert das Beckengewicht auf Sitzbeinhöcker und Steissbein. Eine punktelastische Matratze lässt das Gesäss einsinken und verteilt das Gewicht auf Oberschenkel und unteren Rücken.

Wie stehe ich mit Steissbeinschmerzen schmerzfrei auf?

Über die Seite: auf die Seite rollen, Beine über die Bettkante schieben, mit dem Arm hochdrücken und auf den Oberschenkeln sitzend aufstehen. Nie direkt aus der Rückenlage aufsetzen.

Hilft ein Ringkissen im Bett?

Es kann in Rückenlage das Steissbein aussparen, verrutscht aber nachts leicht. Eine feste Rolle unter den Oberschenkeln ist meist zuverlässiger. Tagsüber ist ein Keilkissen mit hinterer Aussparung oft besser als ein Ring.

Wie lange dauern Steissbeinschmerzen?

Nach einer Prellung meist einige Wochen, bei chronischen Formen Monate. Halten die Schmerzen länger als sechs bis acht Wochen an, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Wann sind Steissbeinschmerzen ein Grund für den Arztbesuch?

Nach einem Sturz auf das Gesäss, bei Schmerzen ohne erkennbaren Auslöser, bei Dauer über sechs bis acht Wochen oder wenn Fieber, Gewichtsverlust, Blutungen oder Blasen- und Darmprobleme hinzukommen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung.

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