Haltbarkeit

Kaltschaum Raumgewicht (RG): was die Zahl wirklich bedeutet

Aufgeschnittener Kaltschaumblock mit offenporiger Zellstruktur im Detail

Wenn eine Matratzenbeschreibung nur eine einzige harte Zahl enthält, die tatsächlich etwas über die Qualität aussagt, dann ist es das Raumgewicht. Während Härtegrade nicht genormt sind und Federzahlen wenig über den Liegekomfort verraten, ist das Raumgewicht eine physikalisch definierte Grösse: Sie gibt an, wie viele Kilogramm Rohmaterial in einem Kubikmeter Schaum stecken. Angegeben wird sie meist als RG 35 oder RG 50, gelegentlich auch als Dichte in kg/m³. Der Haken: Viele Anbieter verschweigen den Wert, und wo er steht, wird er häufig mit der Härte verwechselt. Beides hat aber nichts miteinander zu tun. Dieser Beitrag erklärt, was das Raumgewicht misst, welche Werte für welche Nutzung sinnvoll sind und wie Sie es beim Kauf richtig einordnen.

Die kurze Antwort: Das Raumgewicht beschreibt die Materialdichte eines Schaums in Kilogramm pro Kubikmeter und ist der beste verfügbare Indikator für die Haltbarkeit. Je höher der Wert, desto mehr Substanz ist verbaut und desto langsamer bilden sich Kuhlen. Für tägliche Nutzung über viele Jahre sollten Sie mindestens RG 40 ansetzen, besser RG 50 oder mehr. Werte unter RG 30 taugen nur für Gelegenheitsbetten. Wichtig: Raumgewicht und Härte sind unabhängig voneinander – ein Schaum mit RG 50 kann weich oder fest eingestellt sein, je nach Rezeptur.

Das Wichtigste in Kürze
  • Raumgewicht = Kilogramm Schaummaterial pro Kubikmeter, angegeben als RG-Wert.
  • Es misst Materialdichte und damit Haltbarkeit – nicht Härte oder Stützkraft.
  • Ab RG 40 für regelmässige Nutzung, ab RG 50 für hohe Langzeitstabilität.
  • Die Stauchhärte in Kilopascal beschreibt die Härte – eine völlig andere Grösse.
  • Fehlt die RG-Angabe komplett, ist das ein Warnsignal.

Was das Raumgewicht physikalisch beschreibt

Schaum besteht zu einem grossen Teil aus Luft. Beim Aufschäumen entstehen Millionen kleiner Zellen; das Rohmaterial bildet nur die Stege und Wände dazwischen. Das Raumgewicht sagt, wie viel dieses Stegmaterials tatsächlich vorhanden ist. Ein Schaum mit RG 30 enthält 30 Kilogramm Substanz pro Kubikmeter, ein Schaum mit RG 60 doppelt so viel. Mehr Material bedeutet dickere Zellstege, und dickere Stege ertragen mehr Verformungszyklen, bevor sie dauerhaft nachgeben. Genau darum korreliert das Raumgewicht so eng mit der Haltbarkeit. Rechnen Sie es sich einmal aus: Eine Matratze mit 90 x 200 cm und 16 cm Kernhöhe hat ein Kernvolumen von 0,288 Kubikmetern. Bei RG 30 wiegt dieser Kern also rund 8,6 Kilogramm, bei RG 50 etwa 14,4 Kilogramm. Der Gewichtsunterschied ist beim Anheben deutlich spürbar – ein praktischer Hinweis, wenn keine RG-Angabe vorliegt. Sehr leichte Schaummatratzen sind fast immer niedrig verdichtet. Grundlagen zum Material finden Sie im Beitrag Kaltschaummatratze.

Raumgewicht ist nicht Härte – der häufigste Irrtum

Die Härte eines Schaums wird über die Stauchhärte beschrieben, gemessen in Kilopascal und ermittelt nach genormten Verfahren wie DIN EN ISO 3386. Typische Werte für Matratzenkerne liegen zwischen etwa 3 und 6 kPa. Diese Grösse ist unabhängig vom Raumgewicht: Über die chemische Rezeptur lassen sich weiche Schäume mit hoher Dichte ebenso herstellen wie feste Schäume mit niedriger Dichte. Praktisch bedeutet das: Eine Matratze mit RG 50 kann sich sehr weich anfühlen und trotzdem über Jahre formstabil bleiben. Umgekehrt kann ein billiger Schaum mit RG 25 zunächst angenehm fest wirken und nach 18 Monaten sichtbare Kuhlen zeigen. Wer beim Kauf nur auf das Liegegefühl im Laden achtet, kann diesen Unterschied nicht erkennen – er zeigt sich erst nach Monaten. Deshalb gehören beide Werte zusammen betrachtet: Das Raumgewicht sagt, wie lange die Matratze ihre Eigenschaften behält; die Stauchhärte und der konstruktive Aufbau sagen, welche Eigenschaften das sind. Warum die üblichen Härtegradstufen dabei kaum weiterhelfen, lesen Sie unter Härtegrade sind überholt.

Aufgeschnittener Kaltschaumblock mit offenporiger Zellstruktur im Detail
Im Schnitt sichtbar: Die Zellstege bilden das eigentliche Material – ihre Dicke bestimmt, wie viele Verformungszyklen der Schaum übersteht.

Welcher RG-Wert für welchen Zweck

Raumgewicht Einordnung Sinnvoll für Erwartbare Nutzungsdauer
unter RG 30 Niedrig verdichtet Gelegenheitsbett, Camping 1–3 Jahre bei täglicher Nutzung
RG 30–40 Mittel Gästezimmer, Kinderbett ca. 4–6 Jahre
RG 40–50 Gut Tägliche Nutzung ca. 7–10 Jahre
über RG 50 Hochwertig Dauerhafte Nutzung, höheres Körpergewicht 10 Jahre und mehr

Die Angaben zur Nutzungsdauer sind Richtwerte und hängen zusätzlich von Körpergewicht, Unterbau, Pflege und Raumklima ab. Details unter Lebensdauer einer Matratze.

Wie Sie das Raumgewicht selbst abschätzen

Fehlt die Angabe, hilft eine einfache Rechnung. Ermitteln Sie das Kernvolumen: Länge x Breite x Kernhöhe in Metern. Bei 90 x 200 cm und 14 cm Kern ergibt das 0,9 x 2,0 x 0,14 = 0,252 Kubikmeter. Wiegen Sie anschliessend die Matratze ohne Bezug – oder ziehen Sie vom Gesamtgewicht etwa 2 bis 4 Kilogramm für Bezug und Steppung ab. Teilen Sie das Kerngewicht durch das Volumen, und Sie haben eine brauchbare Schätzung. Beispiel: 12 Kilogramm Kerngewicht geteilt durch 0,252 ergibt rund RG 48. Wiegt dieselbe Matratze nur 7 Kilogramm, landen Sie bei etwa RG 28 – ein deutliches Warnsignal für tägliche Nutzung. Diese Überschlagsrechnung ist nicht laborgenau, weil Deckschichten und Kernaufbau variieren können, aber sie unterscheidet zuverlässig zwischen "substanziell" und "luftig". Ein zweiter Praxistest: Drücken Sie mit dem Daumen fest 5 Sekunden in die Oberfläche und lassen Sie los. Ein dicht verdichteter Schaum stellt sich innerhalb weniger Sekunden vollständig zurück, ohne dass eine sichtbare Delle bleibt.

Häufige Fehler beim Umgang mit RG-Angaben

Die RG-Angabe der Deckschicht mit dem Kern verwechseln. Manche Anbieter nennen den höchsten Wert aller verbauten Schichten. Eine 2 cm dicke Viscoschicht mit RG 60 über einem Kern mit RG 28 ergibt keine hochwertige Matratze. Fragen Sie nach dem RG des Tragekerns. Raumgewicht als Härteangabe lesen. Wie beschrieben: RG sagt nichts über weich oder fest. Nur auf RG achten und die Kernhöhe ignorieren. Ein hochwertiger Schaum mit nur 10 cm Kern kann bei höherem Körpergewicht durchdrücken. Sinnvoll sind 14 bis 20 cm Kernhöhe für Erwachsene. Vergleiche zwischen Materialarten ziehen. Latex hat naturgemäss deutlich höhere Dichten von 60 bis 90 kg/m³ – ein direkter Zahlenvergleich mit Kaltschaum ist irreführend, siehe Latexmatratze. Den Unterbau ausblenden. Ein schlechter Lattenrost lässt auch einen hochverdichteten Schaum vorzeitig ermatten, weil die Last punktuell statt flächig eingeleitet wird – siehe Lattenrost und Matratze.

Was neben dem Raumgewicht noch zählt

Das Raumgewicht ist ein guter Filter, aber kein vollständiges Qualitätsurteil. Drei weitere Faktoren gehören dazu. Erstens die Zellstruktur: Offenporige Schäume leiten Feuchtigkeit weiter, geschlossenporige stauen Wärme. Ein Erwachsener gibt pro Nacht rund 0,3 bis 0,5 Liter Flüssigkeit ab – dieses Volumen muss abtransportiert werden können. Zweitens das Rückstellverhalten: Wie schnell nimmt der Schaum nach einer Positionsänderung seine Form wieder an? Bei 20 bis 60 Positionswechseln pro Nacht entscheidet das darüber, ob man gegen die Matratze anschläft. Drittens die Punktelastizität: Sinkt nur der belastete Punkt ein oder ein grosser Bereich mit? Nur punktelastische Materialien können Schulter und Becken unabhängig einsinken lassen, während die Taille gestützt bleibt. Ein hochverdichteter Schaum mit schlechter Punktelastizität hält zwar lange, liegt aber nicht gut. Umgekehrt nützt beste Anpassung wenig, wenn der Kern nach zwei Jahren nachgibt. Die Kombination macht den Unterschied – und genau deshalb lohnt sich der Blick auf beide Angaben. Vertiefend dazu unser Vergleich der Matratzentypen und der Beitrag zu Viscoschaum und Memory-Schaum.

Schlichte Schaummatratze auf einem Holzbett im hellen Schlafzimmer
Ob eine Matratze nach fünf Jahren noch stützt, entscheidet sich vor allem über die Materialdichte im Kern.

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Häufige Fragen zum Raumgewicht bei Kaltschaum

Was bedeutet RG bei einer Matratze?

RG steht für Raumgewicht und gibt an, wie viele Kilogramm Schaummaterial in einem Kubikmeter stecken. RG 40 bedeutet also 40 kg/m³. Der Wert beschreibt die Materialdichte und ist der beste verfügbare Indikator für die zu erwartende Haltbarkeit.

Welches Raumgewicht sollte eine gute Kaltschaummatratze haben?

Für tägliche Nutzung sollten Sie mindestens RG 40 ansetzen, besser RG 50 oder mehr. Werte zwischen RG 30 und 40 eignen sich für Gästezimmer oder Kinderbetten. Unter RG 30 ist von dauerhafter Nutzung abzuraten, weil sich schnell Kuhlen bilden.

Sagt ein hohes Raumgewicht etwas über die Härte aus?

Nein. Raumgewicht und Härte sind unabhängige Grössen. Die Härte wird über die Stauchhärte in Kilopascal beschrieben, typischerweise 3 bis 6 kPa bei Matratzenkernen. Ein Schaum mit RG 50 kann weich oder fest sein, je nach Rezeptur.

Wie kann ich das Raumgewicht ohne Herstellerangabe abschätzen?

Berechnen Sie das Kernvolumen aus Länge x Breite x Kernhöhe in Metern und teilen Sie das Kerngewicht dadurch. Vom Gesamtgewicht ziehen Sie etwa 2 bis 4 Kilogramm für den Bezug ab. Sehr leichte Schaummatratzen sind fast immer niedrig verdichtet.

Warum hat Latex ein viel höheres Raumgewicht als Kaltschaum?

Latex ist materialbedingt dichter; übliche Werte liegen bei 60 bis 90 kg/m³. Ein direkter Zahlenvergleich zwischen Latex und Kaltschaum ist deshalb nicht sinnvoll – die Werte lassen sich nur innerhalb derselben Materialart vergleichen.

Was tun, wenn der Hersteller kein Raumgewicht angibt?

Fragen Sie gezielt nach dem Raumgewicht des Tragekerns, nicht nur der Deckschichten. Wird keine Auskunft gegeben, ist das ein Warnsignal. Als Behelf hilft das Gesamtgewicht der Matratze: Ein sehr leichtes Modell deutet auf geringe Materialdichte hin.

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