Beim Matratzenkauf messen die meisten Menschen sorgfältig nach. Beim Kissen greifen dieselben Menschen zum nächstbesten Modell im Regal – obwohl das Kissen darüber entscheidet, ob die Halswirbelsäule nachts in einer neutralen Linie liegt oder über Stunden abgeknickt wird. Die Folgen zeigen sich morgens: verspannter Nacken, Kopfschmerzen, ein steifer Schultergurt. In der Schweiz dominiert traditionell das grosse quadratische Kissen in 65 × 65 cm, während orthopädisch orientierte Modelle meist 50 × 70 cm oder kleiner messen. Beide Formate haben ihre Berechtigung – aber nicht für dieselbe Schlafposition. Dieser Ratgeber ordnet die gängigen Kissengrössen ein und zeigt, welche zu welchem Körper passt.
Die kurze Antwort: Entscheidend ist nicht die Fläche des Kissens, sondern seine Höhe im Verhältnis zu Ihrer Schulterbreite und Schlafposition. Seitenschläfer brauchen ein hohes Kissen von 10 bis 14 cm, Rückenschläfer ein flaches von 6 bis 10 cm, Bauchschläfer ein sehr flaches von 4 bis 6 cm oder gar keines. Beim Format gilt: Das klassische Schweizer 65 × 65 cm Kissen eignet sich gut zum Aufsitzen und Lesen, ist zum Schlafen aber oft zu grosszügig, weil auch die Schultern darauf liegen und der Nacken überstreckt wird. Für die reine Schlafposition ist 50 × 70 cm oder ein Nackenstützkissen meist besser geeignet.
- Schweizer Klassiker: 65 × 65 cm – grosszügig, aber fürs Schlafen oft zu gross.
- Empfohlenes Schlafformat: 50 × 70 cm, weil nur Kopf und Nacken aufliegen.
- Seitenschläfer: 10–14 cm Höhe, Rückenschläfer: 6–10 cm, Bauchschläfer: 4–6 cm.
- Die Schultern gehören nicht aufs Kissen – sonst wird der Nacken überstreckt.
- Je weicher die Matratze im Schulterbereich einsinkt, desto flacher darf das Kissen sein.
Die gängigen Kissengrössen im Überblick
| Mass (cm) | Verbreitung | Geeignet für |
|---|---|---|
| 65 × 65 | Schweizer Standard | Lesen, Aufsitzen, Dekoration |
| 50 × 70 | Zunehmend verbreitet | Alle Schlafpositionen, ergonomisch günstig |
| 40 × 80 | Nackenstützkissen | Seiten- und Rückenschläfer mit Nackenbeschwerden |
| 40 × 60 | Kompaktformat | Kinder, Reisen, kleine Betten |
| 40 × 145 (ca.) | Seitenschläferkissen | Seitenlage, Schwangerschaft |
| 40 × 60 (Kind) | Kinderkissen | Ab etwa 2 Jahren, sehr flach |
Das 65 × 65 cm Format hält sich in der Schweiz hartnäckig, weil es optisch zum breiten Duvet passt und beim Lesen im Bett angenehm ist. Ergonomisch betrachtet ist es allerdings selten die beste Wahl – weshalb, klärt der nächste Abschnitt.
Warum das grosse Kissen ein Problem sein kann
Auf einem 65 × 65 cm Kissen liegt nicht nur der Kopf, sondern auch ein Teil der Schultern. Genau das ist das Problem. Wenn die Schultern angehoben werden, kippt der Kopf nach vorne und die Halswirbelsäule wird gebeugt – in Rückenlage entsteht eine dauerhafte Vorneigung, als würde man acht Stunden lang auf ein Handy schauen. Die Nackenmuskulatur hält dagegen, entspannt sich nicht und meldet sich am Morgen.
Ein kleineres Format zwingt dagegen dazu, die Schultern auf der Matratze zu lassen. Das Kissen füllt dann nur noch den Hohlraum zwischen Kopf, Nacken und Matratze. Genau das ist seine eigentliche Aufgabe. Die Faustregel: Die Schulterkante sollte an der Kissenkante beginnen, nicht darauf liegen.
Wer sein 65 × 65 cm Kissen behalten möchte, kann es zur Hälfte unter den Kopf schieben und die andere Hälfte frei lassen – das funktioniert als Notlösung, ist aber nicht stabil. Besser ist ein zweites, kleineres Kissen fürs Schlafen und das grosse zum Lesen. Weitere Grundlagen im Kopfkissen-Ratgeber.

Die richtige Höhe nach Schlafposition
Seitenschläfer
In der Seitenlage entsteht zwischen Kopf und Matratze der grösste Hohlraum – er entspricht ungefähr der Schulterbreite. Bei einer schmalen Person mit 38 cm Schulterbreite sind das rund 10 cm, bei breiten Schultern von 50 cm eher 13 bis 14 cm. Das Kissen muss diesen Raum füllen, damit die Halswirbelsäule in einer geraden Linie zur Brustwirbelsäule bleibt. Ein zu flaches Kissen lässt den Kopf abkippen, ein zu hohes knickt ihn nach oben. Beides führt über Stunden zu Verspannungen.
Rückenschläfer
In Rückenlage ist der Hohlraum viel kleiner. Es geht nur darum, die natürliche Halslordose zu unterstützen – also die leichte Wölbung im Nacken. 6 bis 10 cm genügen. Ein hohes Seitenschläferkissen würde den Kopf zu weit anheben. Wer beide Positionen nutzt, wählt ein anpassungsfähiges Kissen im mittleren Bereich oder ein Modell mit entnehmbarer Füllung.
Bauchschläfer
Die Bauchlage ist für die Halswirbelsäule ohnehin die anspruchsvollste Position, weil der Kopf dauerhaft zur Seite gedreht wird. Ein hohes Kissen verschlimmert das. Empfohlen sind 4 bis 6 cm oder ganz ohne Kissen. Manche Bauchschläfer kommen mit einem flachen Kissen unter dem Becken besser zurecht, weil das die Lendenwirbelsäule entlastet. Mehr dazu unter Matratze für Rücken- und Bauchschläfer.
Wie die Matratze die Kissenhöhe beeinflusst
Ein Punkt, der in Beratungsgesprächen fast immer fehlt: Die Kissenhöhe hängt direkt davon ab, wie tief die Schulter in die Matratze einsinkt. Auf einer sehr festen Unterlage bleibt die Schulter oben, der Hohlraum zum Kopf ist gross – das Kissen muss hoch sein. Auf einer punktelastischen Matratze, in die die Schulter 3 bis 5 cm einsinkt, verkleinert sich der Hohlraum entsprechend. Dasselbe Kissen wäre dann zu hoch.
Praktisch heisst das: Wenn Sie die Matratze wechseln, sollten Sie das Kissen erneut prüfen. Viele Menschen kaufen eine neue Matratze, schlafen anfangs schlechter und schieben es auf die Matratze – dabei ist das alte Kissen nun schlicht zu hoch. Geben Sie sich mindestens zwei bis drei Wochen Eingewöhnung, wie im Beitrag Matratze eingewöhnen beschrieben, und justieren Sie dann das Kissen nach.
Häufige Fehler bei der Kissenwahl
Fehler 1: Die Schultern mit aufs Kissen legen. Der Klassiker beim 65 × 65 cm Format. Ergebnis ist eine gebeugte Halswirbelsäule über die gesamte Nacht.
Fehler 2: Zwei Kissen stapeln. Wer merkt, dass ein Kissen zu flach ist, legt oft ein zweites darunter. Das erzeugt eine instabile, keilförmige Fläche, die den Kopf nach vorne kippt. Besser: ein einzelnes Kissen in der richtigen Höhe.
Fehler 3: Das Kissen nie ersetzen. Füllungen verlieren über die Jahre an Volumen und Stützkraft. Als Richtwert gilt ein Wechsel alle zwei bis drei Jahre bei Faser- und Daunenfüllungen, alle drei bis fünf Jahre bei Schaumkernen. Ein einfacher Test: Falten Sie das Kissen zusammen – federt es nicht selbstständig zurück, ist es ermüdet.
Fehler 4: Nur auf das Füllmaterial schauen. Daune, Latexflocken, Kaltschaum oder Memory-Schaum haben alle ihre Berechtigung. Aber kein Material kompensiert eine falsche Höhe. Bestimmen Sie zuerst die Höhe, dann das Material.
Fehler 5: Kinderkissen zu früh einsetzen. Babys unter einem Jahr schlafen ohne Kissen – aus Sicherheitsgründen. Ab etwa zwei Jahren ist ein sehr flaches Kinderkissen von 40 × 60 cm mit maximal 4 cm Höhe angemessen.

So finden Sie Ihre Kissenhöhe in vier Schritten
Schritt 1 – Schulterbreite messen. Stellen Sie sich seitlich vor einen Spiegel und messen Sie den Abstand von der Matratzenoberfläche bis zum äusseren Punkt Ihrer Schulter in Seitenlage. Alternativ: Schulterbreite von Gelenk zu Gelenk halbieren – das ergibt eine brauchbare Näherung.
Schritt 2 – Einsinkverhalten berücksichtigen. Ziehen Sie 2 bis 5 cm ab, je nachdem wie stark Ihre Schulter in die Matratze einsinkt. Bei sehr fester Unterlage ziehen Sie nichts ab.
Schritt 3 – Testen und prüfen lassen. Legen Sie sich in Ihre Hauptschlafposition und lassen Sie jemanden von vorne beurteilen: Verläuft die Halswirbelsäule in einer geraden Linie zur Brustwirbelsäule? Alternativ machen Sie ein Foto vom Kopfende her.
Schritt 4 – Zwei Wochen geben. Der Nacken braucht Zeit, sich umzustellen. Leichte Irritation in den ersten Nächten ist normal; anhaltender Schmerz ist es nicht. Bleiben Beschwerden nach zwei bis drei Wochen bestehen, sprechen Sie mit einer Fachperson. Weitere Hinweise unter Nackenschmerzen und Matratze.
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Häufige Fragen zu Kissengrössen
Welche Kissengrösse ist in der Schweiz üblich?
Traditionell dominiert das quadratische Format 65 × 65 cm. Zunehmend verbreitet sich jedoch das kleinere 50 × 70 cm, weil dabei nur Kopf und Nacken aufliegen und die Schultern auf der Matratze bleiben – das ist ergonomisch günstiger.
Wie hoch sollte ein Kissen für Seitenschläfer sein?
Seitenschläfer brauchen in der Regel 10 bis 14 cm Höhe, damit der Hohlraum zwischen Kopf und Matratze gefüllt wird und die Halswirbelsäule gerade bleibt. Der genaue Wert hängt von der Schulterbreite ab: schmale Schultern eher 10 cm, breite Schultern bis 14 cm.
Ist ein 65 × 65 cm Kissen zum Schlafen ungeeignet?
Ungeeignet ist zu stark formuliert, aber es ist für die reine Schlafposition meist zu grosszügig. Weil auch die Schultern darauf liegen, wird der Kopf angehoben und die Halswirbelsäule gebeugt. Zum Lesen und Aufsitzen im Bett ist das Format dagegen sehr angenehm.
Brauche ich als Bauchschläfer überhaupt ein Kissen?
Viele Bauchschläfer schlafen am besten ganz ohne Kissen oder mit einem sehr flachen von 4 bis 6 cm. Manche empfinden zusätzlich ein flaches Kissen unter dem Becken als angenehm, weil das die Lendenwirbelsäule entlastet.
Muss ich mein Kissen wechseln, wenn ich eine neue Matratze kaufe?
Häufig ja. Sinkt die Schulter in der neuen Matratze tiefer ein als vorher, wird der Hohlraum zum Kopf kleiner und das bisherige Kissen zu hoch. Prüfen Sie die Kissenhöhe nach zwei bis drei Wochen Eingewöhnung erneut.
Wie oft sollte man ein Kopfkissen ersetzen?
Als Richtwert gelten zwei bis drei Jahre bei Faser- und Daunenfüllungen und drei bis fünf Jahre bei Schaumkernen. Ein einfacher Test: Falten Sie das Kissen zusammen und lassen Sie los – federt es nicht von selbst in die Ausgangsform zurück, hat es seine Stützkraft verloren.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung.











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